Vom Etikett „Edelkolumnistin“ sollte man sich bei Raquel Erdtmann nicht abschrecken lassen. „Und ich würde es wieder tun“, ihre Gerichtsreportagen, die zuerst als Beiträge für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung erschienen, sind angenehm unparfümiert – anders als bei Schirach, dessen Texte gern mit einem Spritzer „Eau Starker Max“ kommen. Raquel Erdtmann tut nicht allwissend, sie schreibt aus der Perspektive einer Prozessbeobachterin, hat den Blick einer Schauspielerin und Installationskünstlerin (was sie beides ist) für das zur Aufführung kommende Drama und für manch erhellende Verästelung. Manche Prozesse gleichen einer Oper, manche handeln von kleinen Würstchen, andere machen ziemlich sprach- oder ratlos. Nicht immer gelingt die Sache mit der Gerechtigkeit vor Gericht, die vollständige Klärung der Motive oder eine eineindeutigen Schuldzuweisung. Die Delikte, deren juristischer Bewältigung die Autorin beiwohnt, sind klein und groß, komisch und entsetzlich oder einfach seltsam. Da gibt es großangelegten, schockierenden Betrug mit nicht koscherem Fleisch, einen Rentner, der seinen Mercedes als Tatwaffe einsetzt, einen Heiratsschwindler wie aus dem Groschenroman, das Töten von Wirbeltieren ohne vernünftigen Grund (26 Schlangen, 27 überleben es), einen 82 Jahre alten Vergewaltiger – in der Ehe, einen Täter, der über sich selbst entsetzt ist, Beziehungen mit gewaltsamem Ende, Liebesgeschichten mit ungutem Ausgang, einen IS-Kämpfer und ein deutsches Street-Girl, einen Schlepper-Prozess oder manch atemberaubende Herzlosigkeit, auch sich selbst gegenüber.

CULTurMag, 1.Mai 2019
Pfeil next nach re

Ein Beirag des HR, »Hauptsache Kultur« vom 18.April 2019
Pfeil next nach re

Rezension von Christian Beisenherz, WDR2
Pfeil next nach re

»Wenn Raquel Erdtmann über Gerichtsverhandlungen schreibt, dann lässt einen das nicht kalt. Dabei sind es nicht einmal die ganz großen Fälle, denen sie sich widmet, sondern Straßenraub, Einbrüche, aus dem Ruder geratene Streitereien. Erdtmann guckt darauf, was diese Fälle mit Tätern und Opfern machen, beschreibt ganz präzise die Beteiligten, das Drumherum. Tatsächlich lesen sich ihre Texte, die in der Sonntagsausgabe dieser Zeitung erscheinen, oft so, als wäre man beim Prozess dabei, als würde man mit im Gerichtssaal sitzen. Der Frankfurter S. Fischer Verlag hat aus einigen ihrer Reportagen nun ein Buch mit dem Titel „Und ich würde es wieder tun“ gemacht (…)« F.A.Z., 4. April 2019

»Dicht, nah dran und dennoch bemerkenswert sachlich.« Susanne Lamprecht, Donaukurier 7. Februar 2019